Kai Schreiber

Autor | Neurowissenschaftler | Sänger

Das Schicksalslied des Fußballs

Ein virtuelles Video-Chorprojekt



Die kurze Fassung


Warum?
Für unterhaltsamen Chorgesang in singarmer Zeit
Was?
Das Schicksalslied von Brahms über das schwere Leben, mit einem neuen Text rund um das schöne Spiel Fußball, als virtuelles Chor-Video-Projekt mit Gesang und Bild der Sänger*innen und diversen Filmschnipseln rund ums Stadion.
Wie?
Die Teilnehmer*innen machen Audioaufnahmen ihrer jeweiligen Stimme zu einem Backgroundvideo/-audiotrack in zwei Teilen. und eine Videoaufnahme des Gesangs zum ganzen Stück ohne Ton, inklusive einer Verabschiedung am Ende. Die Tonaufnahmen und Videos werden mit der von der Pianistin Lin Lin für uns eingespielten Klavierbegleitung zum Gesamtvideo eines virtuellen Konzerts geschnitten und mit dokumentarischen Aufnahmen rund um den Fußball ergänzt.
Wann?
Unverbindliche Anmeldung bitte mit Namen und Register per Email an kai@kai-schreiber.de. Die beiden Ton- und die Videoaufnahme bitte bis Ende April per WeTransfer an dieselbe Adresse senden.
 


Die lange Fassung


Warum?

In den tempi coronae ist das Chorsingen zu einer raren und kostbaren Aktivität geworden. Probenarbeit, gemeinsames Musizieren und Konzerte müssen der Seuchenbekäpfung weichen. Und auch unsere ohnehin schon Ärmsten, die Profifußballer, sind schwer getroffen. Sängern und Fußballfreunden zugleich soll dieses Projekt ein Licht sein, wenn andere Lichter ausgehen, zum Beispiel die Flutlichter im Stadion.

Was?

Hyperions Schicksalslied von Hölderlin gehört in der Vertonung durch Brahms ohne jeden Zweifel zu den großen Kulturleistungen der Menschheit. Mit anderen Worten: es ist sehr gut. Und auch der Fußball, in seiner modernen Ausprägung voll dramatischer Szenen berühter Spieler, ist nicht die unbekannteste aller Sportarten.
Was also läge näher als diese beiden nach weit über hundert Jahren des Nebeneinander-her-Existierens endlich zu vermählen? Zugegeben läge natürlich allerhand näher als diese etwas abwegige Idee, aber es geschieht eben nicht immer nur das Naheliegende.
Brahms Musik ist nicht verbesserungsfähig und auch Hölderlins Gedicht ist ziemlich solide, enthält aber leider sehr wenig zu Fußballthemen. Deshalb wurde nur Hölderlins Text behutsam modernisiert und an die veränderte Sachlage angepasst und beinahe gar keine Noten verändert. Ausnahmen sind die Takte 75, wo aus Keusch Eilig und deshalb aus der punktierten halben Note eine Halbe und eine Viertelnote wurde, sowie Takt 85 im Bass, wo die Äuml;nderug von seligen zu schweren aus zwei Achteln eine Viertelnote machte.
Das Ganze soll nun als virtuelles Chorkonzert aufgenommen werden, und mit Aufnahmen aus den Fußballstadien der Welt zu einem Video-Gesamtwerk verbunden werden.
Zur Einstimmung hier erstmal der modernisierte Hölderlin:

Das Lied



Das Schicksalslied des Fußballs


‪ Ihr wandelt drunten im Licht
‬   auf weichem Rasen selige Genien.
      Steigende Abseitsfahnen
        rühren Euch sehr,
          wie die Lippen der Schiris
            heilige Pfeifen.

‪ Ahnungslos wie der lallende
‬   Säugling schwafeln die Sportlichen.
    Eilig befragt
      in bescheidenem Anspruch
        blühet sprachlos tönend
          ihnen der Quatsch,
            und die schweren Zungen
              schlagen in müder,
                ratloser Wirrheit.

‪ Doch uns ist gegeben
‬   bei keinem Abspiel zu ruhn.
    Es schimpfen, es jubeln,
      die schauenden, schäumenden Menschen
        tobend, bebend von einem
          Spielzug zum andern,
            wie Feuer von oben
              aufs Spielfeld geworfen
                lodernd von Fantribünen hinab.


Wie?

Für jeden Teilnehmer gibt es drei Schritte:
Wer es noch nicht kennt, bringt sich anhand des Übematerials das Stück bei.
Dann wird die eigene Stimme in zwei Abschnitten als Tonaufnahme aufgenommen.
Unabhängig von diesen Tonaufnahmen wird eine Videoaufnahme ohne Ton angefertigt.

 

Notenmaterial

Zur Auswahl stehen die reinen SATB-Gesangsnoten ohne Klavierbegleitung (14 S.) sowie zwei Klavierauszüge: den Satz der Musescore-Version und der Videos (47 S.) sowie einen historischen Klavierauszug mit dem neuen Text (21 S.). Der historische Satz fasst Tenor/Bass und Sopran/Alt in je einem System zusammen, im Musescore-Satz ist dafür die Klavierbegleitung unübersichtlicher. Ihre Wahl.
 

Youtube-Übe-/Hintergrundtracks

Wir haben auf Youtube Tracks bereitgestellt, in denen die Begleitung zusammen mit den hervorgehobenen Stimmlinien zu hören und dazu die Noten zu sehen sind. Diese Videos dienen sowohl der Übung und dem Notenlernen als auch als Hintergrund-Tracks für die Tonaufnahmen. Um die Aufnahme zu erleichtern, haben wir das Stück dafür in zwei Abschnitte geteilt, den langsamen und sehnsuchtsvollen Teil von Takt 27 bis 103 (für Sopran, Alt, Tenor, Bass), und den Allegro- und nicht so serhnsuchtsvollen Teil von Takt 104 bis zum Schluss (ohne das Klaviernachspiel) (Sopran, Alt, Tenor, Bass).

Auch wer die Musik und seinen/ihren Part schon kennt, sollte sich mittels der Youtube-Videos mit dem Tempo und der Dynamik unserer Klavierbegleitung vertraut machen. Bei virtuellen Chorprojekten entfällt ja leider der Dirigent*in, und die Klavierbegleitung muss diese Rolle unvollkommen übernehmen.

Die Begleitung wurde für dieses Projekt von Lin Lin eingespielt. Diese Aufnahme wird auch für die endgültige Abmischung verwendet.

Musescore-Übesatz

Eine weitere Übemöglichkeit bietet die kostenlose Satzsoftware musescore, mit deren Hilfe der Notensatz und die Übevideos erstellt wurden. Wir haben den Satz auf der musescore-Webseite bereit gestellt, in verschiedenen Abmischungen für Sopran, Alt, Tenor, Bass und in einer Tutti-Variante. Auf den musescore-Seiten können mit dem Player Passagen angehört, oder der gesamte Satz in verschiedenen Formaten heruntergeladen werden.

Aufnahme (Ton)

Wer Text und Noten sicher beherrscht, nimmt den Stimmpart auf. Dafür werden Kopfhörer, ein Aufnahmegerät;/Smartphone, eine Möglichkeit, die Begleitvideos (siehe oben) oder Audiobegleit-Tracks (siehe unten) abzuspielen, und idealerweise ein separates Mikrofon benötigt. Wer statt der Videobegleittracks lieber auf die Audioversion zurückgreifen will, braucht zusätzlich einen Satz Noten.

Für die beste Freiheit im Ausdruck gibt es den Begleittrack auch ohne alle Gesangsstimmen nur mit den Noten und der Klavierbegleitung, Teil 1 und Teil 2. Das ist die Idealversion für notensichere Sänger*innen.

Über die Kopfhörer hören Sie das Video oder Begleit-Tonspur. Stellen Sie die Lautstärke dabei so ein, dass das Aufnahmemikro nichts davon erfasst. testen Sie die Lautstärke mit einer Probeaufnahme.

Starten Sie erst die Tonaufnahme und dann den Begleit-Track.

Beim Einzählen hören sie vier Mal das Geräsch eines getretenen Balles. Sprechen Sie synchron mit der vierten Wiederholung das Wort "Tock", um die Audiosynchronisation zu erleichtern. Bei Teil 1 wird mit vier Schlägen eines einzelnen Taktes eingezählt, bei Teil 2 wegen des schnelleren Tempos mit vier aufeinanderfolgende Takte jeweils auf 1.

Aufnahme (Video)

Wählen Sie einen einfarbigen, hellen Hintergrund ohne unruhige Elemente. Nehmen Sie das Video im Hochkantformat/Porträtmodus auf, im Bildausschnitt sollten Ihr Kopf und ein Teil Ihres Oberkörpers zu sehen sein. Wenn nur Landschafts-Format möglich ist (zB Webcams), richten Sie den Ausschnitt so ein, dass ein Hochkant-Format ausgeschnitten werden kann.

Spielen Sie entweder dieses Youtube-Video oder den entsprechenden Audiotrack (s.u.) während der Aufnahme ab. Wenn Sie den Audiotrack wählen empfiehlt sich der Ausdruck des Klavierauszugs. Die Begleitung können Sie per Kopfhörer oder Lautsprecher abspielen, der Ton der Videoaufnahme wird am Ende mit Ausnahme der Verabschiedung nicht verwendet. Singen Sie konzentriert und halten Sie die Spannung auch in den Pausen wie bei einem Auftritt. Achten Sie vor allem auf Timing und Text und artikulieren Sie deutlich.

Während des Klavier-Nachspiels verleihen Sie dem Ereignis eine kleine persönliche Note. Seien Sie kreativ, holen Sie zum Beispiel Familienmitglieder oder Haustiere ins Bild, oder präsentieren Sie Fußballrelevantes wie Trikots oder Bälle.

Denken Sie daran, dass von dieser Aufnahme nur das Bild verwendet wird. Pantomime statt Parolen!

Zum Ende des Nachspiels nehmen Sie (allein oder mit den Angehörigen) eine mittige Position im Video ein, winken Sie zum Verklingen des Schlussakkords in die Kamera und verabschieden Sie sich mit einer kurzen, gut hörbaren Grußformel.

Geschafft!


Audio-Begleittracks für Singen aus der Partitur

Für Teilnehmer, die aus technischen Gründen die Youtube-Videos nicht parallel zur Aufnahme ansehen können oder lieber aus einer Papier-Partitur singen wollen, gibt es die Hintergrundtracks auch in einer reinen Audioversion, den ersten Teil (Sopran, Alt, Tenor, Bass und nur Begleitung), den zweiten Teil (Sopran, Alt, Tenor, Bass und nur Begleitung) und den Tutti-Track für die Video-Aufzeichnung.

VORSICHT: bei der Audiotrack-Version, in der nur die Begleitung spielt, wird das richtige Timing zur großen Herausforderung, insbesondere beim a-cappella-Teil. Wir empfehlen hier die Videoversion.

Denken Sie daran, zur Synchronisierung der Aufnahmen auch wenn Sie diese Tracks verwenden beim vierten Ballgeräsch "Tock" zu sagen und machen Sie sich mit dem Ablauf der Video-Aufzeichung im YouTube-Video vertraut, insbesondere für den Teil während des Nachspiels. Versuchen Sie beim Blättern Papierrascheln auf der Aufnahme zu vermeiden.

Anleitungen, Anmerkungen und Tipps


  • Alle Diphthonge bitte so spät wie möglich umfärben. Bei beispielsweise den "Pfeifen" also lange auf einem a verweilen und erst unmittelbar vor dem f die Vokalfarbe zum ə verschieben.
  • Schlusskonsonanten ebenfalls spät, am Phrasenende auf die neue Zählzeit und mit etwas Zurückhaltung phrasieren.
  • Aus dem zart abphrasierten "rühren Euch leicht" des Originals ist in dieser Version "rüren Euch sehr" geworden. Bitte das "sehr" als Höhepunkt der Linie singen und leicht betonen.
  • Beachten Sie den Unterschied zwischen dem ersten und zweiten Auftauchen des Sturzthemas ("Wie Feuer von oben..."). Bei beiden sind die einzelnen Silben abgesetzt, beim zweiten gilt zusätzlich ein Stakkato. Diese Anweisung nicht übertrieben abgehackt umsetzen, aber bitte einen Unterschied zwischen den beiden Versionen hörbar machen.
  • Den blühenden Quatsch mit nicht zu langem a und abphrasiertem Tsch sprechen. Den "Quatsch" nicht betonen, sondern eher wegwerfend singen.
  • Die Dynamik ist wie in den Noten vermerkt, unter Ausschöpfung des Umfangs: pp also sehr leise, ff sehr kräftig. Vorsicht vor Übersteuerung der Aufnahme und Verzerrungen, sicherheitshalber die Lautstärke vorher in einer Probeaufnahme testen.
  • Insbesondere wenn Sie mit den Hintergrundspuren aufnehmen, die nur die Begleitung enthalten, orientieren Sie sich für Tempo und Rhythmus an den Notenmarkierungen im Video. Insbesondere wegen des besonders problematischen a-cappella-Teiles ist von einer Aufnahme mit der reinen Audiovariante dieses Backgroundtracks Vorsicht geboten.
  • An einigen wenigen Stellen wird der Satz innerhalb einer Stimme für wenige Noten zweistimmig. Singen Sie das, was Sie auch sonst im Chor singen oder wählen Sie nach Belieben.
  • Wer ikonische Fußballszenen oder Aufnahmen kennt oder hat, insbesondere zu den im Text anklingenden Themen (Abseits, pfeifende Schiedsrichter, graziös laufende Fußballer, Interviewsituationen am Spielfeldrand und dramatische Publikumsszenen mit Flammenwurf), kann die gerne beitragen.
  • Wer irgendwo in den Noten oder den Übedaten einen Fehler findet oder über eine Unklarheit stolpert, bitte nicht behalten, sondern melden.
  • Die Klavierbegleitung enthält in Takt 51 ein kleines Audio-Artefakt. Das wird vor Erstellen der Endversion selbstverständlich geflickt.

Wann

Alle an der Teilnahme Interessierten sollten sofort eine unverbindliche Email mit Namen und Register an kai@kai-schreiber.de schreiben. An angemeldete Email-Adresse werden gegebenenfalls Updates zu den Dateien und Verfahren verschickt, sowie Erinnerungen vor Ende der Einsendefrist. Und hilft die Anmeldung sehr bei der Planung des Videoschnitts und bei eventuellen Änderungen.

Die beiden Ton- und die Videoaufnahmen sollen bis Ende April per WeTransfer (oder auf vergleichbaren Wegen) an dieselbe Email-Adresse geschickt werden. Einsendungen, die erst nach dem Abmischen der Chorspuren ankommen, können leider nicht mehr berücksichtigt werden.

Danke

Mit bestem Dank an Lin Lin, Bruno Michalke, musescore und Stefan Steinröhder für Anregungen, Unterstützung und Tipps.